Journal Interactive West 2017

Raus aus der Vergleichbarkeit

Raus aus der Vergleichbarkeit

Markenexpertin Dr. Judith Meyer – Brand Consultant bei BrandTrust – setzt auf die Marke als Basis allen Tuns und warnt Marken darüber hinaus davor, sich in die Austauschbarkeit zu begeben.

 

Als Markenexpertin geben Sie Ihr Knowhow u.a. im Rahmen von Lehraufträgen an Universitäten weiter. Was denken Sie, ist Ihrer Meinung nach das Wertvollste, das die Studierenden aus Ihren Vorträgen bzw. Seminaren mitnehmen?

Ich versuche meist, eine Botschaft immer wieder zu penetrieren: Marke ist die Basis allen Tuns. Erst wann diese Basis steht, können wir uns um Marketingmaßnahmen Gedanken machen. Wer vorher versucht, nur auf der Oberfläche zu operieren und Kommunikation oder Designs ohne Bodenhaftung entwickelt, riskiert zum Beispiel, dass völlig ziellose und ungerichtete Mitteilungen auf die Kundengruppen treffen und Verwirrung stiften.
 

Was sind die größten Fehler, die Ihnen bei Unternehmen im Bereich „Kommunikation in sozialen Netzwerken” auffallen?

Die Diskrepanz von echter Markenleistung und dem, was kommuniziert wird. Viele Unternehmen leisten viel mehr als sie kommunizieren. Vice versa vergessen allerdings Unternehmen auch, dass das Internet Transparenz schafft. Wenn zu „optimistisch“ kommuniziert wird und die Markenarbeit hier nicht mit der entsprechenden Leistung hinterlegt wird, kann der wachsame Kunde schnell die einen oder anderen Missstände aufdecken. Die Folge ist, dass die Glaubwürdigkeit und die Reputation der Marke beschädigt werden, was dem Unternehmen teuer zu stehen kommen kann.
 

Gerade in der digitalen Welt ist der User mit Marken und Angeboten im Überfluss konfrontiert. Was ist zu tun, um als Marke nicht in der breiten Masse zu verschwinden.

Marken müssen raus aus der Vergleichbarkeit! Wenn man sich in die Austauschbarkeit begibt, entscheidet nun mal der Preis. Und das ist ein unschönes Spiel mit viel Kollateralschaden.

 

Sie leisten Pionierarbeit im Bereich der globalen und digitalen Markenführung, was voraussetzt, dass Sie Ihr Wissen stets upgraden. Woher nehmen Sie persönlich die Energie hierfür.

Ich liebe Neues. Der Reiz des Unbekannten löst sofort eine elektrisierende Faszination in mir aus. Ich denke, Neugier und meine Sucht nach Wissen nähren meinen Akku.

 

Thema Work-Life-Balance. Trennen Sie Beruf und Privat klar voneinander oder verschmelzen die Bereiche?

Für mich funktionieren „Work-Life-Blending“ und „New Work“-Arbeitsmodelle. Ich denke allerdings, das ist stark typabhängig. Persönlich habe ich das Gefühl, dass mein Gestaltungsraum dadurch wächst und ich so selbstbestimmter leben kann. Natürlich sind bewusste Auszeiten auch nötig. Urlaub ist für mich wirklich Urlaub.
 

Kurz und direkt

Freizeit: Crossfit und Yoga – eine perfekte Kombination. Außerdem suche ich gerne die Ruhe in den Bergen beim Wandern
Dieser Influencer/Blogger/Instagramer/YouTuber usw. begeistert mich: Dandy Diary, itisartime, manrepeller – alles, was aus dem Gewöhnlichen heraustritt.
Diese Websites inspirieren mich: producthunt.com, ted.com, mashable.com
Wichtigstes Tool/App: Instagram
Meine digitale Vision: Ich habe „The Circle“ gelesen – das hat mir ganz schön zu denken gegeben. Trotzdem freue mich auf die selbst lernenden Fähigkeiten von AI-Systemen. Ich sehe mehr Chancen als Bedrohung und glaube, dass sich der Nutzen künstlicher Intelligenz erst ansatzweise entfaltet hat.
 
 

Tanja Schug (BrandTrust Schweiz GmbH) steht am 4. Juli mit Judith Meyer auf der IAW-Bühne.

 
 

 
 

Ein Artikel aus dem Interactive West Journal.
Das ganze Journal lesen sie hier:

 

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