Journal Interactive West 2017

Mit Storytelling trockene Daten beleben!

Mit Storytelling trockene Daten beleben!

Datenjournalist, Medienberater und Trainer Marco Maas im Interview über Zahlen, technologische Höhen, Zukunftsvisionen des Journalismus und smartes Wohnen.

 

Wie gehen Sie vor, um „trockene“ Statistiken mit Zahlen, Daten und Fakten in spannende Geschichten zu verwandeln?

Es geht darum, die Daten zunächst zu verstehen und dann zielgruppengerecht aufzubereiten. Dann geht es ans Entwickeln eines Storytellings. Unser Anspruch ist: Auch meine Oma soll mit 5 Sekunden Aufmerksamkeit verstehen können, warum sie dieser Datensatz betrifft und warum es sich lohnen könnte, sich mit der Geschichte dahinter zu beschäftigen.

 

Sie werden tagtäglich mit Unmengen von Daten geflutet. Tauchen Sie auch mal ganz bewusst ab?

In unserem Team aus 11 Leuten haben wir inzwischen 9 Kinder, sodass eine Work-Life-Balance wichtig ist und wir versuchen auch, den jüngeren Kollegen vorzuleben, dass es ein Leben neben der Arbeit gibt. Ich persönlich bin der Typ Workaholic und liebe meine Arbeit. Meine Kollegen haben mich schon mal 14 Tage in die Digital-Diaspora geschickt, angeblich, damit ich ausspannen kann – es war furchtbar. Für mich ist der Rückzug aus dem Digitalen dann erholsam, wenn ich wenigstens einmal am Tag nachschauen kann, was für Mails gekommen sind, und wie die Projekte so laufen.  
 

Meine Kollegen haben mich schon mal 14 Tage
in die Digital-Diaspora geschickt, angeblich,
damit ich ausspannen kann – es war furchtbar.

Marco Maas

 
 

Ihre Meinung als erfahrener Journalist: Wie sieht der Journalismus der Zukunft aus?

Damit wir künftig journalistische Inhalte zum Konsumenten bringen, ohne sich dabei auf Distributionsplattform wie Facebook zu verlieren, müssen wir auch technologisch auf der Höhe bleiben und z. B. Machine Learning, Sensordaten von Smartphones und Algorithmen verstehen und anwenden können. Außerdem kommen mit selbstfahrenden Autos und smarten Wohnungen komplett neue Spielwiesen auf uns zu, für die wir Konzepte entwickeln müssen. Ich glaube, dass wir künftig sehr viel mehr auf die aktuelle Nutzungssituation des Konsumenten reagieren können müssen – ist er gerade im Badezimmer und hat es eilig, sitzt er auf dem Rad mit Kopfhörern, langweilt er sich im Auto usw., welche Interessen und welche Vorkenntnisse hat er, wie viele Menschen werden voraussichtlich in 3 Stunden auf dem Weg zur Arbeit sein. Die Daten sind potenziell bereits vorhanden, aber wir machen uns noch keine Gedanken, wie wir sie nutzen – das muss sich ändern.

 

Sie leben seit einiger Zeit in einem Smart Home, das heißt, von der Lampe über die Heizung bis hin zum Bewegungsmelder an der Tür ist alles vernetzt. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Es ist nichts, was man zum Überleben braucht, aber es macht das Leben komfortabler. Und ich ertappe mich häufiger dabei, in fremden Wohnungen nach Alexa zu rufen, damit sie doch bitte das Licht regeln möge.

 

Kurz und direkt

Freizeit: Radfahren, Serien, Kiten, Tauchen, Rumnerden
Dieser Influencer/Blogger/Instagramer/YouTuber usw. begeistert mich: Jakob Vicari, John Oliver, Walt Mossberg, Jan Böhmermann
Diese Websites inspirieren mich: the verge, allthingsd, techcrunch
Wichtigstes Tool/App: Google Inbox
Meine digitale Vision: kontextbasierte dialogische Vermittlung von Inhalten an Orten und Geräten, die sich meinen Bedürfnissen anpassen

 
 

Ein Artikel aus dem Interactive West Journal.
Das ganze Journal lesen sie hier:

 

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